15.03.2010  11:54 Uhr

Politikwissenschaftler
Wahlkampf im Internet ist Schaukampf

Düsseldorf/Duisburg. Der Wahlkampf im Internet wird sich nach Ansicht des Duisburger Politikwissenschaftlers Timo Grunden nicht nennenswert auf den Ausgang der Landtagswahl im Mai auswirken. «Der Online-Wahlkampf in Deutschland wird dramatisch überschätzt», sagte der Experte von der Universität Duisburg-Essen in einem ddp-Interview.

Studien belegten, dass etwa die Bundestagswahl 2009 trotz des vorangegangenen Internet-Hypes kaum durch das Engagement der Kandidaten bei Facebook, Twitter und Co. beeinflusst worden sei.

Die Kandidaten betätigen sich im Internet nach Einschätzung von Grunden in erster Linie, um nicht altmodisch zu erscheinen. «Es geht vielmehr darum, sich vor Journalisten ein modernes Image zu verpassen, als darum, tatsächlich die neuen Formen der Kommunikation zu nutzen», kritisierte er.

Die Präsenz der Kandidaten im World-Wide-Web ersetze auf gar keinen Fall den traditionellen Wahlkampf mit Plakaten, Fernsehspots und Haustürbesuchen. «Die altbekannten Medien werden passiv aufgenommen, im Internet muss man Wahlkampf-Inhalte aktiv und gezielt aufsuchen», begründete der Experte.

Insofern sei er skeptisch, dass der Online-Wahlkampf etwa auf Seiten wie abgeordnetenwatch.de geeignet sei, politikferne Bürger zur Wahl anzuspornen.


 

(ddp)

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