Schulsystem kann sich ändern
Mehr Eigenverantwortung der Beteiligten
Düsseldorf. Jedes Schulsystem kann sich deutlich verbessern, egal wie gut oder schlecht die Ausgangslage ist - und dies im Schnitt schon binnen sechs Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine weltweite McKinsey-Studie.
Entscheidend sind mehr Eigenverantwortung der Schulen, die Qualität der Aus- und Weiterbildung der Lehrer sowie die Art und Weise, wie Lerninhalte vermittelt werden. Dies sind die zentralen Ergebnisse des neuen Global Education Report "How the world's most improved school systems keep getting better" von McKinsey & Company. Die Unternehmensberatung hat dafür weltweit 20 Schulsysteme untersucht, deren Schüler sich - ausgehend von unterschiedlichen Niveaus - in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert haben, darunter Sachsen. McKinsey analysierte dazu weltweit rund 575 Reformmaßnahmen und Methoden, die in den untersuchten Schulsystemen erfolgreich zum Einsatz kamen, und führte mehr als 200 Interviews mit Lehrern, Wissenschaftlern und Politikern.
Mehr Eigenverantwortung für Schulen und Lehrer
Schulsysteme, die so wie in Sachsen bereits von einem guten Niveau
aus starten, legen bei Verbesserungen ihren Schwerpunkt vor allem auf
die Dezentralisierung und Eigenverantwortung der Schulen und der
Lehrerschaft und die Qualität ihrer Lehrkräfte. "Bereits in der
Ausbildung werden an Lehramtsanwärter durch mehr vorschulische Praxis und Trainings höhere Anforderungen gestellt", erläutert
Bildungsexperte Nelson Killius, Partner bei McKinsey in München, die
Studienergebnisse. Positiv wirke sich auch eine strikte Auswahl beim
Zugang zum Lehrerberuf aus. Durch fachliche Weiterbildung auch in
Eigenverantwortung, gezieltes Coaching der Lehrer, gegenseitiges
Feedback und durch Karrierepfade mit entsprechend gestuftem Gehalt
für die Spezialisierung von Lehrkräften werde der Erfolg eines
Schulsystems gesichert. Einen positiven Einfluss habe es auch, so
Nelson Killius, wenn Schulen selbst mehr pädagogische Befugnisse
hätten, um beispielsweise auf die Schülerschaft zugeschnittene
Spezialprogramme anzubieten.
Die Verantwortlichen sehr guter Schulsysteme legen Wert auf
gegenseitiges Coaching der Lehrer und auf innovative Lehr- und
Lernmodelle. "Die Qualität der Schulen steigt, wenn die Unterstützung
der Lehrer untereinander zum Weiterbildungsprinzip erhoben und
Verantwortung auch für Kollegen übernommen wird", berichtet Claus
Benkert, McKinsey-Direktor in München. Beispielsweise hätten sich
beobachtete Schulstunden, nach denen ein Lehrer direkt von einem
Kollegen Feedback erhalte, in den untersuchten Schulsystemen als sehr erfolgreich erwiesen.
Im weltweiten Vergleich weist Deutschland auf Basis von
Bildungsstudien wie PISA oder TIMSS seit Jahren einen Platz im
Mittelfeld auf, allerdings mit leichter Tendenz nach unten. Die
stetig gestiegenen Ausgaben für Bildung in Deutschland spiegeln sich
dabei nicht in den Leistungen der Schüler wider. Mehr noch: Z.B. in
Hongkong und Japan mit ähnlichen Bildungsausgaben pro Kopf wie
Deutschland schneiden Schüler vergleichsweise besser ab.
Verbesserungen innerhalb von sechs Jahren möglich
"Alle 20 von McKinsey untersuchten Schulsysteme konnten die
Leistungen ihrer Schüler innerhalb eines Zeitraums von sechs Jahren
erheblich verbessern", betont Nelson Killius. Schulsysteme in Chile,
Indien oder Südafrika mit einem schlechten Ausgangsniveau hätten bis
2006 die Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeit ihrer Schüler erheblich
gesteigert. In Ländern wie Lettland, Polen, Slowenien und England
habe sich im gleichen Zeitraum das Niveau in den Bereichen Mathematik und Leseverständnis von "mittelmäßig" zu "gut" erhöht. Und Sachsen sei es gelungen, sich von "gut" zu "großartig" zu verbessern. Nelson Killius: "Dass innerhalb von sechs Jahren solche Erfolge möglich
sind, sollte Schulsystemen in aller Welt Ansporn zu weiteren Reformen
sein."
Weniger Strukturdebatten führen
70 Prozent der erfolgreichen Reformmaßnahmen zielen laut der
McKinsey-Studie auf die Verbesserung von Lehrinhalten, die
Organisation der Lehre und die Art und Weise ab, wie in einem System
Lehrinhalte vermittelt werden, also auf die Prozesse in den Schulen.
Viel seltener trugen Maßnahmen zum Erfolg bei, die im Schwerpunkt
Strukturen veränderten, beispielsweise die Anzahl von Schulen und
Schuljahren oder die Ressourcen. "Angesichts dieser Ergebnisse sollte
sich die öffentliche Diskussion mehr auf die Veränderung der Prozesse
konzentrieren und weniger auf Strukturdebatten", folgert
McKinsey-Partner Killius.
(Redaktion)
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