Erste Glücks-Konferenz
Die Glücksökonomie kommt!
Düsseldorf. Dominik Dallwitz-Wegner ist Diplom-Soziologe, seit 1995 in der Marktforschung tätig, Unternehmensgründer und Autor verschiedener Artikel über innovative Marktforschungsinstrumente. Seit 2004 setzt er sich intensiv mit der Glücksforschung auseinander. Unter anderem ist er Country Representative für Positive Psychologie des ENPP. Sein jüngstes Projekt ist die erste Konferenz für Glücksforschung.
Business-on.de: Was ist das Ziel der Konferenz?
Dominik Dallwitz-Wegner: Seit Jahrtausenden besteht die Hoffnung auf die geistige und moralische Weiterentwicklung des Menschen. Seit wenigen Jahrzehnten gibt es erstmals Schützenhilfe von den Wissenschaften. Beispielsweise werden aus den Wirtschaftswissenschaften Ansätze laut, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Ein anderes Beispiel ist die positive Psychologie, die v.a. in Amerika Erfolge feiert. Erkenntnisse der positiven Psychologie werden schon auf einer jährlich stattfindenden Konferenz in Washington diskutiert. In Europa gab es Konferenzen am Lago Maggiore und in Braga, Portugal. Die nächste wird in Kroatien stattfinden. Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Die Entwicklung hierzulande ist noch sehr langsam. Die Konferenz soll einen Beitrag dazu leisten, die Entwicklung zu beschleunigen. Die entstehende Community soll unterstützt werden, so dass die weltweite Entwicklung der positiven Psychologie auch in Deutschland ein Erfolg wird.
Business-on.de: Welche Referenten und Themen wird es geben?
Dominik Dallwitz-Wegner: Die junge Disziplin der Glücksforschung ist von vornherein interdisziplinär ausgelegt. Dem trägt auch die Konferenz Rechnung.
Die Referenten sind Kapazitäten aus verschiedenen Fachbereichen. Zwei Redner kommen aus nicht-deutschsprachigen Ländern: Prof. Ruut Veenhoven, Professor aus Rotterdam und Begründer der World Database of Happiness sowie Prof. Antonella Delle Fave aus Mailand, die über das scheinbare Paradox „gesunder Patient“ sprechen wird. Andere sind z.B. Prof. Creusen (ehemals Vorstand Media-Saturn-Holding) mit dem Thema „Positive Leadership“, OD Fritz-Schubert, der kürzlich das erste Abiturfach Glück durchgesetzt hat oder Dr. Utsch von der Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.
Business-on.de: Wer sollte teilnehmen und warum?
Dominik Dallwitz-Wegner: Grundsätzlich ist die Konferenz für jeden interessant, der sich für die positiven Wissenschaften interessiert. Spezial angesprochen sind die Teilnehmer aus den Erziehungswissenschaften, Trainer, Coaches usw. Aus der Wirtschaft ist die Konferenz nutzbringend für Führungskräfte, Personalmanager etc. Des Weiteren ist die Konferenz wichtig für Menschen aus dem Personal- und Gesundheitswesen, der Religion und viele andere mehr.Der Hauptnutzen wird darin bestehen, von den Ergebnissen der positiven Wissenschaften für die eigene Praxis zu lernen.
Business-on.de: Wie beurteilen Sie die Glücksforschung in Deutschland im internationalen Vergleich?
Dominik Dallwitz-Wegner: Die Glücksforschung ist in Deutschland noch nicht etabliert. Es gibt zwar Anfänge, aber noch keine Community. Die Glücksforschung ist hierzulande zu akademisch aufgesetzt und nicht praxisorientiert genug. Es gibt noch zu wenige Vernetzungen untereinander, die Erkenntnisgewinn und praktische Anwendung fördern.Die Glücksforschung hat das Potential, Deutschland in verschiedenen Bereichen voran zu bringen. Aber hierzu braucht es noch einiges an Professionalisierung und Bekanntmachung.
Business-on.de: Wie ist es um das Glück in Deutschland bestellt?
Dominik Dallwitz-Wegner: Wie man aus einigen internationalen Vergleichen ersehen kann, ist Deutschland kein Glücksweltmeister; wir finden uns eher im Mittelfeld wieder. Über die Gründe kann man verschiedenste Vermutungen anstellen. Sicherlich sind hier unsere Geschichte und Kultur mitverantwortlich. Durch unsere Geschichte tragen wir eine Art Erblast: wir haben über die Jahrhunderte nicht lernen können, Stolz auf die eigene Nation und eigene Leistungen zu sein - ganz im Gegenteil. Auch die kulturelle Entwicklung prägt die Psyche. Gerne bezeichnen wir uns als Land der „Dichter und Denker“. Oberflächlichkeit und Spaß sind uns eher suspekt, vor allem wenn es um die „wichtigen“ Bereiche wie Wirtschaft, Berufsleben oder Lebensplanung geht. Zudem geht man immer noch davon aus, dass Institutionen wie Staat oder Kirche gefälligst für alle Bereiche des Gemeinwohls, aber auch für meine eigene Gesundheit, Sicherheit, meine materielle Versorgung und des Seelenheils verantwortlich sind. Daher fehlt uns häufig Eigenverantwortung, eine gute Einstellung zur Leichtigkeit oder die Fähigkeit, mit gutem Gewissen zu genießen.
Business-on.de: Man könnte sagen, dass wir in Deutschland mit anderen Problemen zu kämpfen habe, wie z.B. die schwierige wirtschaftliche Lage. Brauchen wir da Glücksforschung?
Dominik Dallwitz-Wegner:Gerade dann! Der Staat wird immer weniger in der Lage sein, unsere hohen materiellen Vorstellungen zu befriedigen. Im Gesundheitswesen wird gekürzt, die Renten sind alles andere als sicher, das Problem der Arbeitslosigkeit wird zum Dauerbrenner, die Bevölkerung veraltet. Umso wichtiger wird es, Alternativkonzepte zu erarbeiten. Die eigene Lebensgestaltung ist ein entscheidender Faktor in schwierigen Zeiten. Viele Probleme der Zukunft werden wir eigenverantwortlich und mit produktivem Optimismus meistern müssen.
Business-on.de: Welche Ergebnisse erwarten Sie von der Konferenz?
Dominik Dallwitz-Wegner: Ich sehe drei Schwerpunkte: Erstens soll die Konferenz ein Kristallisationspunkt zur besseren Unterstützung der Glücksforschung sein, zweitens soll sich daraus eine regelmäßige Veranstaltung entwickeln und drittens soll eine Verbindung zwischen Forschung und Praxis hergestellt werden. Als kleiner Nebeneffekt soll das Ganze noch Spaß machen.
Business-on.de: Kann man noch an der Konferenz teilnehmen?
Dominik Dallwitz-Wegner: Anmeldungen für die Veranstaltung am 4. Und 5. April sind noch möglich unter: www.glueckskonferenz.org
(Wolfgang Horbach)
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