Interview mit Netzwerker Axel Pollheim
Kirmes, Kö und Fußball - Mehr Marketing für Düsseldorf ist angesagt
Düsseldorf. Axel Pollheim (60), Journalist, Kommunikator und Netzwerk-Knüpfer, veranstaltet für Signa Property Funds und die Vereinigte Verlagsanstalt (VVA) regelmäßig Network-Treffen, u.a. in Düsseldorf, Neuss und Essen. In der Landeshauptstadt gelten der Ständehaus-Treff sowie Düsseldorf IN (im alten Kesselhaus) als heiß begehrte Veranstaltungen, deren Besucherzahl bislang allein durch die Raumkapazität begrenzt wurde.
Das Marketing für Düsseldorf – die Stadt, in der der Kölner inzwischen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt hat – betrachtet und bewertet Pollheim mit kritischer und konstruktiver Sympathie.
Im business-on-Interview äußert er Vorschläge und Anregungen für eine konsequentere Vermarktung der Stadt.
Frage: Um die große Düsseldorfer Kirmes – insbesondere um die Dauer des Volksfestes - gibt es seit Jahren stets auf Neue Diskussionen. Jetzt mischt sich auch Axel Pollheim in die kontrovers geführte Debatte ein. Warum und wozu?
Pollheim: Marketing für Düsseldorf benötigt auf vielen Feldern neue Impulse. Das Schützenfest und die damit verbundene Kirmes am Rheinufer ist nur eines von zahlreichen Beispielen. Wenn Stadtmarketing Mehrwert für die Stadt und die Düsseldorfer Wirtschaft erzielen will, müssen immer wieder mal Strukturen, Abläufe und Konzepte auf den Prüfstand. Veränderte Rahmenbedingungen und neue Ziele erfordern eben neue Anstöße und neue Lösungen.
Bleiben wir erst mal bei der Kirmes: Die Besucherzahlen sind, soweit man solchen Zählungs-Schätzungen Glauben schenken darf, auf hohem Niveau stabil. Warum also Neuerungen?
Pollheim: Da gibt es mehr als einen Grund. Für die Schausteller der großen Attraktionen, die viel technischen Aufwand erfordern, ist eine Verlängerung der Kirmes wirtschaftliche Notwendigkeit. Auf- und Abbau der Fahrgeschäfte beanspruchen viel Zeit und sind damit kostenaufwendig. Das lohnt sich erst ab einer bestimmten „Spieldauer“ – deshalb empfehle ich, auch nach vielen Gesprächen mit Beteiligten, die große Kirmes zeitlich so weit auszudehnen, dass sie drei komplette Wochenenden umfasst.
Mehr Rummel, mehr Umsatz – ist das das Rezept?
Pollheim: Ein Volksfest dieser Größenordnung ist selbstverständlich auch eine ökonomische Größe. Nicht nur für die Schausteller, sondern für die ganze Stadt. Die Verlängerung ist da nur eine Komponente. Das Münchner Oktoberfest macht es uns vor: Überregionale und internationale Vermarktung – ein Top-Event für die Medien und Millionen-Umsätze nicht nur auf der Wies’n, sondern für Hotels, das Taxigewerbe, den Einzelhandel. Das muss auch in Düsseldorf möglich sein. Düsseldorfs Kirmes hat das Potenzial, Nachbarn aus dem nahen Ausland – z.B. den Benelux-Ländern oder Frankreich – anzulocken. Das muss natürlich mit attraktiven Programmen „garniert“ werden.
Städtetourismus für Event-Hungrige also. Aber das sind gerade mal – im besten Fall – 16 Tage im Sommer, meistens in der Ferienzeit.
Pollheim: Düsseldorf hat doch eine neue Attraktion, die fast das ganze Jahr über genutzt werden kann: Die Heimspiele von Fortuna. Mit dem Aufstieg in die zweite Liga ergeben sich ganz neue Perspektiven. Wie wäre es beispielsweise mit Mehrtages-Programmen für die Fans der Mannschaften, die in der Esprit-Arena zum Auswärtsspiel antreten? 90 Minuten Fußball und 48 Stunden (oder mehr) Düsseldorf – hier entwickelt sich ein ganz neuer Wirtschaftszweig.
Wer muss oder soll solche Programme in Gang setzen? Wie kann die Umsetzung aussehen?
Pollheim: Da sind viele gefragt. Den auswärtigen Fußballfans die Stadt Düsseldorf schmackhaft zu machen, ist sicher eine Aufgabe der städtischen Tochtergesellschaft Düsseldorf Marketing Tourismus GmbH. Beispielsweise durch aktive Kontakte zu den Fan-Clubs in Städten wie Hamburg, Berlin oder München; oder durch Hilfestellung beim Schnüren von fußballtouristischen Programmpaketen für ein Wochenende. Aber letztlich ist hier auch jeder Hotelier in Düsseldorf gefordert, Initiativen zu entwickeln – Hotellerie und Gastronomie sind schließlich Nutznießer, wenn viele Menschen zu Veranstaltungen anreisen.
Kirmes, Fußball, sicher auch Karneval, auch den Japan-Tag könnte man hier nennen – das alles sind Pfunde, mit denen die Stadt wuchern kann. Aber es sind Events, also vergänglich und punktuell. Wo sehen Sie potenzielle Konstanten für die Vermarktung derStadt?
Pollheim: Da fällt mir an erster Stelle die Königsallee ein. Die Kö ist Düsseldorfs einziger weltweit bekannter (lebender) Markenartikel. Kein anderer Teil der Stadt kann Internationalität auf höchstem Niveau für sich beanspruchen. Und was passiert hier? Fast 16 Stunden am Tag ist die Kö tot. So geht man nicht mit einer wertvollen Marke um!
Wie sollte man also mit ihr umgehen?
Pollheim: Ich kann keine Patentrezepte aus dem Ärmel zaubern. Für tragfähige Konzepte sollten sich die Querdenker dieser Stadt – und davon gibt es glücklicherweise viele – zusammentun und spannende Ideen entwickeln. Natürlich gehört die Gastronomie dazu, die neuen Top-Hotels, der Einzelhandel; aber die Kö ist mehr als nur Einkaufsstraße. Ladenschluss, Anziehungspunkte und Angebote rund um die Uhr – mit diesen Themen müssen wir uns befassen. Das Ziel sollte sein: Die Königsallee ist ständig geöffnet, hier herrscht Leben. Immer.
Kirmes, Kicken und Kö – das macht sich schon ganz gut. Darf’s noch ein bisschen mehr sein?
Pollheim: Als viertes K sollten Sie die Kultur nicht vergessen. Aber für und in Düsseldorf darf’s immer ein bisschen mehr sein. Strukturell, als herausragende Bestandteile der Stadt, haben wir doch drei Flaggschiffe: Die Kö, die Altstadt, den Medienhafen. Jedes dieser Flaggschiffe ist ein Highlight – und alle sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Vermarkter, was wollt ihr mehr? Werden diese Highlights richtig genutzt, ist der Kölner Dom im Vergleich eine recht eindimensionale Angelegenheit...
(Das Interview führte Bernd Holzrichter)
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